Fragen & Antworten

Beschreibung des Buches

Die Lebensgeschichte von Sherine, die sich später Athena nannte, wird anhand von Interviews aufgezeichnet, die Menschen gegeben haben, die sie sie gut oder auch nur wenig kannten – von ihren Eltern, Kollegen, Lehrern, Freunden, Bekannten, ihrem Ex-Ehemann.

Der Roman enthüllt Athenas geheimnisvolle Herkunft, erzählt von ihrer Adoption in einem Waisenhaus in Rumänien und ihrer Kindheit in Beirut, wo sie bei ihren Adoptiveltern aufwächst, mit denen sie, als dort der Krieg ausbricht, ins Exil nach London geht, wo ihr Leben eine aufregende Wendung nimmt. Athena, die “žDie Hexe von Portobello” genannt wurde, weil sie die prophetische Gaben zu haben scheint, verschwindet auf dramatische Art und Weise und überlässt es denjenigen, die sie gekannt haben, das Geheimnis ihres Lebens und ihres unvermittelten Verschwindens zu enträtseln.

Fragen & Antworten

F: Wie würden Sie das zentrale Thema Ihres letzten Romans mit wenigen Worten zusammenfassen?

A.: Es ist schwierig ein Buch mit wenigen Worten zusammenfassen, aber ich würde sagen, es geht darin um das Erwachen der weiblichen Energie in Männern und Frauen.

F.: Was ist der Unterschied zwischen weiblicher Energie und männlicher Energie? Warum sollen wir unsere weibliche Seite entwickeln? Was ist schlecht an der männlichen Seite?

A: Beide Energien werden gebraucht. Wir müssen mitfühlend und unerbittlich sein. Christus hat beides geheiligt: die Energie des Brotes, das fest ist, und die Energie des Weins, der flüssig und daher anpassungsfähig ist. Häufig zerstört nicht das Schwert den Stein, sondern die Geduld des Wassers.

F: Was unterscheidet diesen Roman von ihren vorangegangenen?

A: Der Stil ist anders. Der Roman besteht aus Zeugnissen von Menschen, die die Hauptperson, Athena, kannten. In diesem Roman hat zudem meine Hauptfigur ein Kind. Es ist das erste Mal, dass in meinem Roman ein Kind vorkommt.

F.: Beruht die Idee zu diesem Roman auf einer realen Begebenheit in Ihrem Leben?

A.: Ja, im Oktober 2005 bin ich in Transsylvanien einer rumänischen Stewardess begegnet, die mich zur Geschichte von Athena inspiriert hat. Sie hat mir erzählt, dass sie von einer österreichischen Familie adoptiert wurde und davon, dass sie von Roma abstammt. Sie war natürlich nur der Ausgangspunkt für den Roman. Aber es fließen noch unzählige andere Situationen und Menschen mit ein, denen ich in meinem Leben begegnet bin. Auch von mir ist etwas in Athena enthalten.

F. Sie haben in diesem Buch heikle Themen behandelt wie die Frage von Vorurteilen, religiöser Intoleranz und Dogmen. Befürchten Sie nicht, wegen dieses Romans von der katholischen Kirche exkommuniziert zu werden? Schließlich vertreten Sie in diesem Buch die Vorstellung von Gott als Großer Mutter.

A. Das befürchte ich nicht. Ich ziehe mich einmal im Jahr in der Benediktinerabtei Stift Melk in í–sterreich zurück. Dort habe ich mich mit Abt Burkhard über katholische Traditionen unterhalten, und dabei kam das Gespräch auch auf die Tatsache, dass Frauen in der katholischen Kirche kaum eine Rolle spielen. Er sagte mir, die Benediktiner hätten durchaus Gebete, die der Gottmutter geweiht seien. Ich denke, in 200 Jahren wird diese weibliche Gottheit kein Tabu mehr sein.

F: Ein Thema, das immer wieder in diesem Buch auftaucht, ist das der “žleeren Stellen”, mit denen Athena leben muss. Hat Paulo Coehlo auch “žleere Stellen”?

A. Selbstverständlich. Wer hat sie nicht? Das Problem besteht nicht darin, “žleere Stellen” zu haben, sondern darin, sich dies zuzugestehen. Die heutige Gesellschaft ist so sehr um Kohärenz bemüht, dass sie in die Falle des Irrglaubens geht, alles sei erklärbar. Die Gesellschaft versucht uns davon zu überzeugen, dass wir vollkommen durchsichtig zu sein haben, nicht nur für die anderen, sondern auch für uns selber. Darin liegt die Gefahr. Wir müssen hinnehmen, dass es Dinge gibt, die wir nicht verstehen, dass wir unsere “žleeren Stellen” haben und wir das Geheimnis respektieren und ehren müssen. Ich würde sagen, Athena ist meine weibliche Seite.

F. Glauben Sie an Hexen?

A. Selbstverständlich tue ich das. Leider ist das Wort “žHexe” mit vielen Vorurteilen behaftet. Meiner Meinung nach ist eine Hexe eine Frau, die imstande ist, ihr Handeln von ihrer Intuition leiten zu lassen, die mit ihrer Umgebung kommuniziert, die keine Angst hat, sich Herausforderungen zu stellen. In meinem neuen Roman geht es um die Vorurteile, denen moderne Hexen in der modernen Gesellschaft ausgesetzt sind.

F. Was ist mit der Angst, anders zu sein?

A. Diese Frage spreche ich in all meinen Büchern an. Ich spreche immer wieder darüber, wie wichtig es ist, das Anderssein zu akzeptieren. Diese Frage beschäftigt mich seit meiner Kindheit. Es war sehr wichtig für mich, mein Anderssein zu akzeptieren.

F. Ist es nicht einfacher, das Anderssein der anderen zu akzeptieren?

A. Allerdings, es ist schwieriger, zu akzeptieren, das die anderen anders als man selber ist, aber es ist auch kompliziert, das eigene Anderssein zu akzeptieren. Der Grund dafür ist, dass es immer Vorurteile gibt. Dass es immer Missverständnisse gibt. Es gibt ein ganzes festes System, das keine Veränderungen will, das nicht will, dass Menschen sich verändern. Allerdings erleben wir jetzt, dass dieses System sich dank Menschen wie Athena verändert. Sie ist der Prototyp, eine Art Ikone dieser mutigen Menschen, die die Gesellschaft und ihre Werte in Frage stellen.

F. Warum haben die Menschen so große Angst vor Veränderung?

Wenn man die Welt nicht verändert, verändert sie einen. Nur Vampire verändern sich nicht. Veränderungen sind notwendig, aber selbst wenn man sie nicht zulässt, wird man ihnen am Ende unterliegen… Tragödien, Unglück werden kommen, und man wird gezwungen sein, sich der neuen Situation anzupassen.

F. Eines der Themen des Buches ist die Unzufriedenheit …

A. Unzufriedenheit bewegt die Welt. Man braucht nur die Kinder zu sehen, die dichter dran sind am Wesen des Lebens. Sind sie zufrieden? Niemals. Ich denke, dass wir alle dieses Kind in uns tragen, das immer neugierig auf die Außenwelt ist.

F. Sind Sie zufrieden?

A. Nein, selbstverständlich nicht. Ich bin ein typischer Vertreter eines nie zufriedenen Menschen.

F: Wissen Sie, worum es in Ihrem Buch gehen wird, bevor Sie es schreiben?

A. Ich mache mir nie Notizen und weiß nie, wohin mich das Buch führen wird. Es wäre schrecklich uninteressant, hätte ich die ganze Geschichte schon im Kopf. Bei der Hexe von Portobello kam mir die Idee für den Abschluss nachts im Schlaf. Ich wachte mir ihr im Kopf auf, schrieb sie sofort in meinen PC und arbeitete die darauf folgenden Tage daran.

F. Ihr Buch endet am 25. Februar 2006, genau um 19:47 Uhr. Britische Genauigkeit, was die Zeit angeht?

A. Nachdem ich das Buch abgeschlossen hatte, schaute ich auf die Uhr meines Computers. Ich war fasziniert, da ich 1947 geboren wurde. Deshalb habe ich es in mein Manuskript geschrieben.

Wie Sie sehen, lasse ich mich von Zeichen führen. Zeichen sind die Sprache Gottes und führen uns zu dem Ziel, das uns bestimmt ist.

Es ist eine persönliche Sprache, die man im Laufe des Lebens verstehen lernt.

F. Was ist wichtig?

A. Das weiß man nie. Das kann man erst während der Reise herausbekommen. Alles beginnt mit einem Zeichen, das dich von einem Punkt zum anderen führt. Oder dich über etwas zum Nachdenken bringen, das du gerade tun willst.

F. Woran glauben Sie?

A. Ich glaube an Träume, an den Menschen und an die Göttin.

Sie widmen Ihr Buch S.F.X.? Wer ist das?

A. Ein Mann, der in sehr jungen Jahren alles aufgegeben hat, um seinem Traum zu folgen. Ich selbst habe viel länger gebraucht, bis ich meinem Traum folgte. Ich war fast 40, als ich beschloss, mich von meinem Traum leiten zu lassen. Ich hatte den Mut dazu, nachdem ich den Jakobsweg gegangen war.

F. Wie war das Experiment, über das Weblog Literatur zu verbreiten?

A. Erstaunlich. Das Experiment, 1/3 meines Buches in spanischer und portugiesischer Sprache im Weblog zur Verfügung zu stellen, versetzte meine Leser in die Lage, selber über den Wert des Buches zu entscheiden. Es gibt meiner Meinung nach für die Literatur nichts Besseres als diesen direkten Kontakt!

Das erste Kapitel von Die Hexe von Portobello wird am 20.8.07 online sein.

Botschaften zu jedem der Kapitel können im “ºReader’s Corner”¹ hinterlassen werden.

íœbersetzung: Maralde Meyer-Minnemann